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Bericht

Weg vom Gas

Am 26.03.2026 luden wir zur Informations- und Diskussionsveranstaltung „Raus aus der Gaskostenfalle!“ in die Rathauskantine ein. 65 Buchholzer:innen waren der Einladung gefolgt.

Xenia Gomm, Projektleiterin Gasausstieg bei GermanZero (Foto: Dr. Ingo Engelmann)

Frau Gomm führte in ihrem Inputvortrag in das Thema Gaskostenfalle ein. Aus drei Gründen müssen wir #WegVomGas:

  1. Wir wollen in Deutschland bis 2045, in Niedersachsen bis 2040 und in Buchholz bis 2035 klimaneutral sein. Um diese Ziele zu erreichen, ist ein Gasausstieg unvermeidbar. Unser Wärmebedarf ist zukünftig durch erneuerbare Wärmequellen zu decken.
  2. Was die Abhängigkeit von fossilen Energien bedeutet, konnten wir in letzter Zeit im Zuge der Angriffskriege Russlands gegen die Ukraine und jüngst der USA und Israels gegen den Iran eindrücklich erleben. Ein Gasausstieg macht uns unabhängig von autoritären Regimen.
  3. Darüber hinaus droht auch eine Kostenfalle. Denn Erdgas wird in der Zukunft immer teurer werden.

Gasausstieg ist Verbraucher:innenschutz!

Xenia Gomm, Projektleiterin Gasausstieg bei GermanZero

Der Ukrainekrieg hat zwischenzeitlich zu einer enormen Preissteigerung in der Beschaffung von Erdgas geführt. Auch aktuell durch den Iran-Krieg erleben wir Preissteigerungen bei allen fossilen Energieträgern. Durch die Abhängigkeit von autoritären Regimen wird der Erdgaspreis auch in Zukunft von internationalen Krisen beeinflusst sein.

Die Erlaubnis, zukünftig CO2 zu emittieren, wird ein begrenztes Gut und den CO2-Preis durch einen Zertifikatehandel weiter ansteigen lassen. Am Jahresanfang stieg der CO2-Preis auf 55 bis 65 Euro pro Tonne. Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass jede Tonne CO2 bereits jetzt Schäden von 880 Euro für heutige und zukünftige Generationen verursacht und diese Klimakosten bis 2050 auf 1.080 Euro je Tonne CO2 ansteigen werden.

Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass immer mehr Buchholzer:innen von Erdgas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen umsteigen. Im Jahr 2025 sind deutschlandweit bereits mehr Wärmepumpen als Gas- oder Ölheizungen installiert worden. Damit bleiben immer weniger Haushalte Erdgaskunden und müssen sich die Kosten für den Betrieb und die Unterhaltung des Erdgasverteilnetzes der Buchholzer Stadtwerke teilen. Das wird sich in zukünftig steigenden Netzentgelten widerspiegeln, die Teil des Erdgaspreises sind. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts aus Dezember 2025 werden die Netzentgelte bis 2045 in etwa auf das Zehnfache des heutigen Preises ansteigen. Zahlt eine durchschnittliche Familien in einem Einfamilienhaus heute Netzentgelte von 466 Euro pro Jahr (bei 20.000 kWh/Jahr), werden 2045 mit Kosten von rd. 4.400 Euro pro Jahr gerechnet. Es drohen also Mehrkosten von fast 4.000 Euro pro Jahr.

Vgl. dazu auch:
Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zu zukünftigen Wärmekosten

Weitere Infos zur Gaskostenfalle inkl. eines Gaskostenrechners, der die Heizkosten bis 2045 im individuellen Einzelfall abzuschätzen versucht, findest du hier: gaskostenfalle.de

In der sich anschließenden Diskussionsrunde waren sich die eingeladenen Expert:innen einig: Der Gasausstieg wird in den nächsten zwanzig Jahren kommen. Die Gaskostenfalle kann aber vermieden werden, indem man frühzeitig auf erneuerbare Wärmequellen umsteigt.

V. l. n. r.: Xenia Gomm, Arndt Strate, Peter Eckhoff (Moderation), Reenie Vietheer und Julian Bonato (Foto: Dr. Ingo Engelmann)

Wie das gelingt, zeigt uns die kommunale Wärmeplanung für Buchholz, die im Herbst 2025 veröffentlicht wurde. Danach haben die meisten Buchholzer:innen selbst für individuelle Lösungen zu sorgen. In der Regel sind das Wärmepumpen. In manchen Stadtgebieten sind auch sog. Wärmenetze möglich, in denen eine zentrale (erneuerbare) Wärmequelle die Wärme bereitstellt, die dann über ein Verteilnetz in die Haushalte transportiert wird.

Wärmepumpen sind technisch deutlich effizienter und damit auch langfristig für Verbraucher:innen günstiger als Gas- oder Ölheizungen.

Arndt Strate, selbstständiger Energieberater und Auditor

Herr Strate hat in den Energieberatungen, die er für die Verbraucherzentrale in Buchholz kostenlos durchführt, keinen Einzelfall erlebt, in dem er von einer Wärmepumpe abraten musste.

Die Hersteller von Heizungstechnik haben sich inzwischen zu Treibern der Wärmewende transformiert. Wärmepumpen sind technisch ausgereift und die beste Wahl zum Heizen.

Julian Bonato, Geschäftsführer MHG Heiztechnik GmbH

Herr Bonato unterstützte die Einschätzung von Herrn Strate, dass die Umstellung auf eine Wärmeversorgung zu 100 % über eine Wärmepumpe grundsätzlich die beste Wahl sei. Dennoch bietet die Branche aber auch Produktlösungen für Einzelfälle, in denen die Umstellung zum Beispiel aus finanziellen Gründen nicht sofort möglich ist. So hat die MHG eine sog. Beistellwärmepumpe im Produktportfolio, die bereits rd. 75 % der CO2-Emissionen gegenüber einer Gastherme einspart und die „alte“ Gasheizung nur noch für den Rest des Wärmebedarfs benötigt. Für Buchholz regte er an, die Biogasanlage am Trelder Berg zu nutzen, um so einen Großteil des verbleibenden Gasbedarfs ebenfalls klimaneutral zu machen.

In der kommunalen Wärmeplanung für Buchholz werden sog. Nahwärmenetze als Möglichkeit in den Stadtgebieten beschrieben, die einen konzentrierten Wärmebedarf haben, also z. B. in enger besiedelten Quartieren mit Mehrfamilienhäusern oder in den Schulzentren. Ob solche Nahwärmenetze dann aber tatsächlich realisiert werden, hängt davon ab, ob sich Akteure finden lassen, die solche Wärmenetze wirtschaftlich vorteilhaft bauen und betreiben können. Das könnten z. B. die Buchholzer Stadtwerke sein oder Bürgergenossenschaften oder auch private Energieversorgungsunternehmen.

In Buchholz sollte die Entwicklung von Wärmenetzen von der Stadt Buchholz selbst oder den Buchholzer Stadtwerken federführend angestoßen und begleitet werden. Andernfalls verliert man unter Umständen den städtischen Einfluss und mögliche Erträge verbleiben nicht in der Stadt.

Reenie Vietheer, Projektleiterin Erneuerbare Wärmeversorgung bei Averdung Ingenieure & Berater GmbH

So könnte die Stadt Buchholz auch zum Geburtshelfer für Bürgergenossenschaften werden, damit Wärmenetze nicht von großen Energieversorgungsunternehmen gewinnorientiert, sondern mit Bürgerbeteiligung gemeinwohlorientiert betrieben werden.

Die Buchholzer Stadtwerke prüfen gerade, ob und wo ein Nahwärmenetz wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben wäre. Herr Mustermann ist da allerdings eher skeptisch, weil die Wärmeversorgung über Nahwärmenetze für die Verbraucher:innen oftmals deutlich teurer ist, als bei dezentralen Wärmepumpen-Lösungen.

Energie- und Wärmewende sind eine große Herausforderung für uns als kommunaler Energieversorger. Aufgrund der Elektrifizierung des Verkehrs und der Wärmeversorgung erwarten wir in den nächsten zwanzig Jahren Investitionen von rd. 100 Mio. Euro in das Stromnetz.

Björn Mustermann, Leiter kfm. Dienste und Netzwirtschaft bei Stadtwerke Buchholz i.d.N. GmbH

Bislang machte das Gasgeschäft rd. ein Drittel des Gewinns der Buchholzer Stadtwerke aus. Wenn dieses Geschäft jedoch in absehbarer Zeit wegbricht, ist die Frage, wie der nötige Investitionsbedarf in das Stromnetz finanziert und gleichzeitig die beiden defizitären Geschäftsfelder Buchholz Bad und Buchholz Bus fortgeführt und ausgebaut werden können. Zuletzt musste das Angebot des Buchholz Busses (Kürzung der Fahrzeiten) bereits aus wirtschaftlichen Gründen eingeschränkt werden.

Mit dem Betrieb des Glasfasernetztes von Buchholz Digital wurde in den letzten Jahren ein neues ertragreiches Geschäftsfeld aufgebaut. Doch reichen die Erträge daraus nicht aus, um die wegfallenden Erträge aus dem Gasgeschäft zu kompensieren. Ob ein weiteres neues Geschäftsfeld hinzukommen wird, konnte Herr Mustermann nicht beantworten. Von der Stadt Buchholz als Gesellschafterin sei aufgrund der derzeitigen Haushaltslage keine große finanzielle Unterstützung zu erwarten.

Die Gasnetzstilllegung werden die Stadtwerke erst dann konkret beginnen zu planen, wenn die (gesetzlichen) Rahmenbedingungen dazu klar feststehen. Dass der Gasausstieg kommen wird, ist jedoch eine gesicherte Erkenntnis. Er wird mit Bedacht und entsprechendem Vorlauf umgesetzt werden. Herr Mustermann sieht daher keinen Grund, als Gaskund:in in Sorge zu geraten.

V. l. n. r.: Xenia Gomm (GermanZero), Björn Mustermann (Stadtwerke Buchholz), Arndt Strate (EQB Strate), Peter Eckhoff (BuchholzZero), Reenie Vietheer (Averdung Ingenieure) und Julian Bonato (MHG Heiztechnik) (Foto: Oliver Sander)

Wir bedanken uns sehr bei unseren Gästen für ihre Teilnahme:

  • Julian Bonato, Geschäftsführer bei MHG Heiztechnik GmbH
  • Xenia Gomm, Projektleitung Gasausstieg bei GermanZero
  • Björn Mustermann, Leiter kfm. Dienste und Netzwirtschaft bei Stadtwerke Buchholz i.d.N. GmbH
  • Arndt Strate, Energieberater und Auditor bei EQB Strate
  • Reenie Vietheer, Projektleiterin Erneuerbare Wärmeversorgung bei Averdung Ingenieure & Berater GmbH

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